Eignerin, Kapitänin und Herz der Crew BERTA VON LASSAN
Wer ist BERTA? Eine schöne alte Dame erzählt ihre Geschichte
BERTA ist eine schöne alte Dame, gepflegt, in weißes Leinen gekleidet, gut unter Farbe… und liegt aktuell am Liegeplatz 93 im Rostocker Stadthafen. Ihren Namen erhielt das Schiff von der schönen und jungen Nichte des ersten Eigners.
In den Schiffpapieren auch nur als BERTA verzeichnet, wird das Schiff von der Eignerin und Kapitänin sowie der Crew liebevoll BERTA von LASSAN genannt. Daniela Gras steht auf den Planken des Schiffes und empfängt uns energiegeladen und glücklich, ein Teil der diesjährigen Hanse Sail zu sein. Sie und ihre BERTA waren im Jahre 2000 das erste Mal bei der Hanse Sail – eine für sie notwendige aber auch eine Herzensveranstaltung. Seit Jahren ist das Schiff während der Sail alle Tage sehr gut gebucht.
Aber jetzt einmal von vorn, denn die Schiffsgeschichte ist total spannend, von der Eignerin selbst erzählt:
1910 an der Niederelbe bei Hamburg als Auftragsarbeit für die Stadt Lassan (vor Usedom angesiedelt) als Plattbodenschiff vom Typ Ewer gebaut, ist die BERTA bautechnisch ein besonderes Schiff. Ursprünglich für den Frachttransport gebaut, verfügt es über einen ausgebauten Klippersteven und ein Segelschiffsheck.
Bis 1952 transportiert die BERTA als reiner Frachtsegler ohne Hilfsmaschine als letzte Ihrer Art in Deutschland Waren im Ostseeraum bis nach Polen.
Von 1953 bis in die 60er Jahre hinein, nun mit Hilfsmotor, war das Schiff auf dem Stettiner Haff und den Boddengewässern unterwegs und war beim Bau des Überseehafens Rostock eingesetzt. Wenig später in Greifwald liegend, wurde die BERTA wegen mangelnder „Schönheit“ aber des Hafens verwiesen.
1972 dem Verfall preisgegeben, fristete sie ihr Dasein als rostende und bis auf den Stahlrumpf geschrumpfte alte Dame an Land. In den Achtzigern entdeckte sie der Vater der jetzigen Eigentümerin und fasste den verwegenen Plan, dieses besondere Schiff als technisches Denkmal zu retten. Der Plan ging nicht auf, bis ein Elblotse auf sie aufmerksam wurde, der hellauf begeistert von der alten Dame war. Das Schiff im „Osten“ war für eine Restaurierung im „Westen“ nicht erreichbar. Und so wurde der Spruch geboren: „jetzt kann nur noch ein ostdeutscher Gaffelfreund helfen“…
Den gab es. Einen Idealisten par excellence, den Vater der jetzigen Eignerin. Er nahm in mühevoller Kleinarbeit die Schiffsrestaurierung in Angriff: Ohne Stiftungsgelder war Eigeninitiative gefragt und ganz viele Stunden, Tage, Monate und Jahre voller mühevoller Kleinarbeit. Zum Schrottpreis erworben, bekam die BERTA ihr ursprüngliches Aussehen von 1986 bis 1993 zurück. Reparaturstationen an Land waren Halle, Leipzig und Dessau. Doch ein Schiff muss schwimmen. Und so wurde 1993 mit neuer Maschine gewassert und es wurde die BERTA ausgiebig in Brandenburgischen- und in MV- Gewässern auf ihre Funktionstüchtigkeit geprüft.
Seit 1999 auch wieder mit Masten und Segeln. Die fast jahrzehntelange Mühe lohnte sich. Die alte Dame glänzte wieder und war bereit für neue Segelabenteuer. Gekrönt wurde der unermüdliche Einsatz ihrer „Retter“ im Herbst 1999 in Stade beim Herbsttreffen der Gaffelsegler – sie erhielt den Veränderungspreis für das am besten restaurierte Schiff.
Einige Jahre später übernahm die Tochter des Eigentümers das Ruder – im wahrsten Sinne des Wortes – und hält es bis heute fest in der Hand. Seit 41 Jahren befindet sich die BERTA in Familienbesitz.
Zu fast jedem Teil auf dem Schiff gibt es eine Geschichte, die die BERTA so unverwechselbar und liebenswert machen.
Hier nur 2, die stellvertretend für Alle stehen:
Der noch funktionierende Kohleherd ist älter als das Schiff – über 130 Jahre alt- und stammt aus dem altem Fährhaus in Dessau.
Die Fäkalientanks sind Abrissobjekte aus einer Molkerei, die nach der Wende geschlossen wurde.
Mein Schiff und ich sind hier zu Hause, sagt die Eignerin stolz und schaut über die sommerliche Warnow in Rostock. Auf der heimischen Schiffwerft Rammin in Barth erhält die BERTHA jegliche Unterstützung, um als alte Dame jung zu bleiben. Auch in Hamburg weckte die Berta Erinnerungen. Eine Pflegeheimbewohnerin erkannte das Schiff und rief „ist das meine BERTA, ist das meine BERTA“.
Und auch dies ist historisch beeindruckend: Zum Ende des II. Weltkrieges haben sich Rostocker Familien vor den Truppen auf dem Schiff versteckt.
Geschichten, die es wert sind, immer noch erzählt zu werden.
Um die alte Dame zu pflegen, benötigt es Idealismus, Geld und diverse Unterstützung bei vielen Fragen. Die Eignerin wünscht sich dafür mehr Austausch mit anderen inhaberbetriebenen Traditionsschiffen in privater Hand auf einer geeigneten Plattform oder einem Netzwerk, die alle die gleichen Herausforderungen zu meistern haben.
Sie hofft zukünftig auf weniger bürokratische Hürden beim Betreiben eines Traditionsseglers und mehr öffentliche Wahrnehmung auch der kleineren Traditionssegler.
ALLZEIT GUTE FAHRT liebe BERTA und immer eine Handbreit Wasser unter‘m Kiel.












